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Mittwoch, 27. August 2008Kies, Kohle, Asche...Liebe Leserin, lieber Leser, zugegeben, in einem Ausdruck wie "Den Kies, die Kohle, die Asche, die Flocken wollten jene sieben" hilft auch die Regelung zur Groß- und Kleinschreibung nicht recht dabei, zu unterscheiden, ob hier mit "sieben" das Verb oder die Grundzahl gemeint ist. Bei den "sieben/Sieben Bergen" allerdings hilft die Regelung schon. Mehr zur Groß- oder Kleinschreibung von Grundzahlen gleich in der ersten Rubrik. Kommen wir von sieben zu dreißig. Welcher Familienname ist eigentlich gemeint, wenn der Name in Großbuchstaben wiedergegeben ist: NIKODEMUS URS DREISSIGER? Ist es "Dreissiger" oder "Dreißiger"? Ein Großbuchstabe für das Eszett wäre da doch von Nutzen. Den gibt es seit Kurzem. Aber ist er überhaupt zulässig? Gut jedenfalls, dass wir über diese Schreibungen geredet respektive geschrieben und nicht in sieben Sprachen geschwiegen haben. Worauf diese Wendung zurückzuführen ist, das haben wir noch für Sie nachgeschlagen. Viel Spaß beim Lesen Groß- oder Kleinschreibung von Grundzahlen Grundzahlen schreibt man in der Regel klein: "Die Bergsteiger streckten am Rande des Eisfeldes erschöpft alle viere von sich. Jetzt war es fünf vor zwölf und die zwei mussten wieder bei null beginnen. Um sechs haben die sieben in der Linie acht schlüpfrige Lieder gegrölt. Ohne Mehrwertsteuer macht das einundzwanzig dreißig. Schon mit vier hat Lena Geige geübt, hat aber null Komma nichts gebracht." Groß schreibt man Zahlwörter hingegen als Bezeichnung einer Ziffer: "Heini ist ja so eine Null: Jetzt hat er doch schon wieder eine Sechs in der Biologieklausur geschrieben - in Ermangelung einer schlechteren Note. Soll ich hier eine arabische Acht verwenden oder eine römische? Von einer römischen Acht spricht man doch wohl nur, wenn man in Rom eine Acht im Rad hat, oder? Aber dann kann man ja mit der Vierzehn zur Jugendherberge zurückfahren" (aber: "mit der Linie vierzehn"). Groß schreibt man Grundzahlen auch in mehrteiligen Eigennamen: "Die Sieben Berge sind eine Landschaft in Niedersachsen." Aber: "Schneewittchen bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen; die sieben Weltwunder; die sieben freien Künste" (keine Eigennamen!). Bisweilen kann nicht eindeutig entschieden werden, ob es sich um einen Eigennamen handelt oder nicht - dann kann die Grundzahl groß- oder kleingeschrieben werden: "die fünf/Fünf Weisen (Sachverständigenrat)". Hätten Sie's gewusst? Das große Eszett Das "ß" (Eszett) ist gerade durch seine Bescheidenheit einzigartig: Als einziger Buchstabe unseres Alphabets tritt es nicht als Großbuchstabe auf. Oder nur: "bisher nicht"? War denn nicht in den letzten Wochen in den Medien allüberall die Rede von einem neu entworfenen, großen Eszett? Was ist davon zu halten? Da Großbuchstaben in der Regel nur am Anfang eines Wortes erscheinen, dort aber nie ein Eszett auftritt, braucht man normalerweise gar kein großes Eszett. Andererseits wird ja auch gelegentlich durchgehend in Großbuchstaben geschrieben. Was dann? Die offizielle Regelung sieht vor, dann "ß" durch "SS" wiederzugeben. Das führt zu den bekannten Deutungsschwierigkeiten bei Ausdrücken wie "DIE MASSE EINES MAGERSÜCHTIGEN MODELS" ("Maße" oder "Masse"?) oder bei Personennamen wie "BARBARA HEUSS" ("Heuß" oder "Heuss"?). Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ließ die frühere Regelung neben "SS" auch "SZ" zu (oft zu sehen in Architektenplänen: "MASZSTAB 1 : 50"). Da aber auch "SZ" keine Eindeutigkeit schafft (vgl. "Keszler/Keßler"), gilt die Darstellung durch "SZ" nicht mehr, es bleibt bei "SS". So ist die Forderung nach einem großen Eszett durchaus verständlich. Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun - in den internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 - ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben: eine wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht. Für Sie nachgeschlagen "in sieben Sprachen schweigen" Die scherzhafte Redewendung bedeutet "sich überhaupt nicht äußern, bei einer Diskussion stummer Zuhörer sein". Ihre Entstehung oder zumindest ihre Verbreitung wird mit dem Berliner Altphilologen Immanuel Bekker (1785-1871) in Verbindung gebracht, von dem sein Lehrer Friedrich August Wolf gesagt haben soll, er schweige in sieben Sprachen. Duden Montag, 19. Mai 2008Was, Wer, Wo, Wie, Warum - ach...![]() Liebe Leserin, lieber Leser, ach ja, die lieben Verwandten ...! Und erst die Verwandtschaftsbezeichnungen ... Die gängigsten sind uns ja von Kindesbeinen an geläufig. Doch nicht immer sind die Unterscheidungen genau genug. Was dann? Und was verbirgt sich hinter veralteten Verwandtschaftsbezeichnungen wie "Ohm" oder "Base"? Das klären wir gleich zu Beginn. Anschließend dreht sich alles um die "Wahlverwandtschaften". Gemeint sind hier der angeheiratete Teil der Familie und die Taufpaten. Wir gehen der Frage nach, was hinter dem Wortbestandteil "Schwieger-" steckt und welche Bezeichnungen es für die Taufpaten gibt. Schließlich haben wir für Sie nachgeschlagen, wie und wo Verwandtschaftsbezeichnungen wie Eigennamen verwendet werden. Gute Unterhaltung ! Hätten Sie's gewusst? Schwiegereltern und Taufpaten In der angeheirateten Verwandtschaft spielt oft die "Schwiegermutter" eine wichtige Rolle. Der im Wörterbuch aufgeführte Beispielsatz "er versteht sich bestens mit seiner Schwiegermutter" ist zuweilen reines Wunschdenken. Doch woher kommt das "Schwieger-" bei Schwiegereltern, Schwiegersöhnen und -töchtern? In früheren Zeiten wurde die Mutter des Ehepartners nur als "Schwieger" - mittelhochdeutsch "swiger", althochdeutsch "swigar" - bezeichnet. Dieses Substantiv ist eine schon im Indogermanischen gebildete weibliche Entsprechung zu dem Wort "Schwager" für den Schwiegervater. Erst im 16. Jahrhundert tritt die neuhochdeutsche Zusammensetzung "Schwiegermutter" neben das alte Wort "Schwieger" und verdrängt dieses langsam. In Anlehnung an "Schwiegermutter" entstehen im 16. Jahrhundert auch "Schwiegervater" und "Schwiegersohn", später auch "Schwiegertochter" (17. Jh.) und "Schwiegereltern" (18. Jh.). Zahlreich und lokal unterschiedlich sind die Bezeichnungen für die Taufpaten. Der "Taufpate" wird zuweilen auch "Taufzeuge", "Patenonkel" oder einfach nur "Pate" genannt. Landschaftlich heißt er auch "Gote". Der Ausdruck "Gevatter" ist veraltet. In Österreich heißt der Taufpate je nach Region und mit Nähe zur Mundart auch "Göd", "Göte" oder "Göti", ganz im Westen und in der Schweiz dann "Götti". Die "Taufpatin" tritt auch auf als "Patentante", "Taufpatin" oder einfach als "Patin" oder "die Pate". Landschaftlich üblich ist die Bezeichnung "die Gote". In Österreich begegnet sie uns mundartnah und wieder je nach Region als "God[e]l", "Goden" oder "Gotl", in der Schweiz und angrenzenden Regionen als "Gotte". Was Sie schon immer wissen wollten Verwandtschaftsbezeichnungen heute und gestern Die Zahl und Genauigkeit von Verwandtschaftsbezeichnungen kann sich von Sprache zu Sprache unterscheiden. Beispielsweise kennt das Schwedische einen Unterschied zwischen dem Opa mütterlicherseits (morfar = "Muttervater") und dem Opa väterlicherseits (farfar = "Vatervater"). Eine solche Unterscheidung macht das Deutsche nicht, weshalb im täglichen Leben oft Ergänzungen für Eindeutigkeit sorgen müssen. Die Zusätze "mütterlicherseits" und "väterlicherseits" sind dafür im Alltag - besonders für Kinder - ungeeignet, andere Ergänzungen müssen her. So heißt beispielsweise die Oma, welche in der Mozartstraße wohnt, einfach "Oma Mozartstraße". Wenn die andere Oma in Münster wohnt, wird sie kurzerhand "Oma Münster" getauft. In anderen Familien sind es aber auch die "Oma Schmidt" und die "Oma Gerda". Und wieder andere Familien lassen die Verwandtschaftsbezeichnung ganz fallen: Oma und Opa heißen ganz einfach "Rolf" und "Ursel". Hier ist deutlich ein Wandel der sprachlichen Gepflogenheiten zu beobachten. Manche Verwandtschaftsbezeichnungen sind mit der Zeit ziemlich aus der Mode gekommen. Wüssten Sie auf Anhieb zu sagen, wer sich hinter den Bezeichnungen "Ohm", "Base", "Muhme" oder "Schwippschwager" verbirgt? "Ohm" ist ein veraltetes, aber regional noch gebrauchtes Wort für "Onkel". "Base" ist eine veraltete, aber im süddeutschen Raum noch gebräuchliche Bezeichnung für "Cousine". In Österreich und der Schweiz bezeichnete man früher so die "Tante". "Muhme" ist ebenfalls eine veraltete Bezeichnung für "Tante". "Schwippschwager" hingegen ist noch nicht veraltet. Mit diesem etwas drolligen Wort wird umgangssprachlich der Schwager des Ehepartners, des Bruders oder der Schwester bezeichnet. Für Sie nachgeschlagen Verwandtschaftsbezeichnungen als Eigennamen Regional, vor allem in der norddeutschen Umgangs- und Kindersprache, werden die Verwandtenbezeichnungen "Vater, Mutter, Tante, Onkel" u. a. häufig als Eigennamen angesehen und deshalb ohne Artikel gebraucht: "Vater ist nicht zu Hause." "Das werde ich Onkel erzählen." Diese als Eigennamen gebrauchten Verwandtschaftsbezeichnungen werden dekliniert und bilden den Genitiv auf -s: "Tantes Kleid gefiel uns allen." "Morgen ist Mutters Geburtstag." "Bleib von Muttis Handtasche weg." Allenfalls noch umgangssprachlich oder in poetischer Sprache kommen schwache Dativ- und Akkusativformen auf -n vor, z. B.: "Futtern wie bei Muttern" (= Werbespruch). "Er hat Vatern Bescheid gesagt." Noch Fragen? Dienstag, 22. April 2008Lottozahlen![]() Liebe Leserin, lieber Leser, schon so mancher hat ja in fiebriger Erwartung der Lottozahlen schon gedacht: "Seid umschlungen, Millionen!" Meist verfrüht. Sie machen es einem halt nicht leicht, die Millionen. Und selbst wenn einem tatsächlich mal alle Lottofeen hold und die Millionen gewonnen sind, droht bekanntlich Ungemach: falsche Freunde. Das gilt auch für die sprachliche Seite von Zahlen - allerdings muss es da schon etwas mehr sein als eine Million. Einiges über falsche Freunde - "Fauxamis" - bei Zahlwörtern erfahren Sie im zweiten Teil. Und schließlich haben wir für Sie noch nachgeschaut, wo das Zitat "Seid umschlungen, Millionen!" seinen Ursprung hat. Viel Spaß beim Lesen! Was Sie schon immer wissen wollten Million Auch wenn nach "eine Million" das Gezählte im Plural folgt, ist die Million doch nur eine, also Singular, und das Verb steht in der Regel im Singular. Der Plural wird aber auch akzeptiert: "Eine Million Tulpen schmückt/schmücken den Schlosspark zu Borbeck." Die Million ist nicht allein deshalb so eigen, weil sie gerade so wenigen Menschen eigen ist, sondern auch, weil sie im Gegensatz zu den Wörtern für kleinere Grundzahlen ein Substantiv ist - genauso wie "Milliarde, Billion, Billiarde, Trillion". Diese Zahlwörter werden daher auch großgeschrieben und getrennt von adjektivischen Bestandteilen. Anders verhält es sich aber mit den Ordnungszahlen. Sie werden zusammengeschrieben: "Die dreimillionste Fruchtfliege schmeckte der eigenwilligen Forelle nicht mehr." In Verbindung mit "Mal" schreibt man wiederum getrennt: "... obwohl sie sich doch mehrere Millionen Mal damit zufriedengegeben hatte." Hätten Sie's gewusst? Fauxamis bei substantivischen Zahlwörtern Unter "Fauxami" versteht man ein Wort, das in mehreren Sprachen in gleicher oder ähnlicher Form auftritt, jedoch in den einzelnen Sprachen Unterschiedliches bedeutet, etwa franz. "etat" (Staat), aber dt. "Etat" (Haushalt). Zu diesen Fauxamis zählen bisweilen auch die Zahlsubstantive, denn bis auf "Million/million" haben sie im Deutschen und im Amerikanischen nie den gleichen Zahlwert: Was bei uns "Milliarde" heißt, ist im Amerikanischen "billion". Unserer "Billion" wiederum entspricht im Amerikanischen "trillion". Im britischen Englisch gibt es dagegen eigentlich keine Fauxamis: Milliarde = "thousand million/milliard" und Billion = "billion". Doch gelten diese Formen mittlerweile als veraltend und auch hier setzt sich zunehmend die amerikanische Variante durch. Für Sie nachgeschlagen Seid umschlungen, Millionen! Das Zitat stammt aus Schillers Gedicht "An die Freude", das durch seine Vertonung am Schluss der 9. Sinfonie von Beethoven (entstanden 1823) sehr bekannt wurde. Die Freude, von Schiller als "schöner Götterfunken" und als "Tochter aus Elysium" angesprochen, versetzt die Menschen in einen Verbrüderungstaumel, der sich in diesem Ausruf ausdrückt. Heute wird das Zitat gelegentlich scherzhaft abgewandelt und in der Form "Seid verschlungen, Millionen!" mit Bezug auf große aufzuwendende Geldsummen gebraucht. Noch Fragen? Freitag, 11. April 2008Fettnäpfchen![]() Liebe Leserin, lieber Leser, Paarbeziehungen erweisen sich zuweilen auch in sprachlicher Hinsicht als nicht ganz unproblematisch. Damit Sie nicht ins grammatische Fettnäpfchen treten, haben wir das "Paar Schuhe" in der ersten Rubrik unter die Lupe genommen. Auf dem Fuß folgen dann Empfehlungen zur angemessenen Briefanrede von Brautpaaren, deren eine Hälfte Sie duzen und deren andere Hälfte Sie (noch) siezen. Zum Schluss haben wir für Sie nachgeschlagen, was es mit einer Paarformel auf sich hat. Viel Spaß beim Lesen ! Was Sie schon immer wissen wollten ein Paar neue Schuhe Egal ob Sie nun "ein Paar neue Schuhe" oder "ein neues Paar Schuhe" erwerben möchten - beides ist in sprachlicher Hinsicht korrekt. Wenn Paar mit dem nachfolgenden Substantiv eine begriffliche Einheit bildet, kann nämlich das eigentlich zum Substantiv gehörende Adjektiv auch vor der Einheit stehen, sofern es sich auf beide Wörter beziehen kann. Schon so mancher ist ins Grübeln geraten, ob er nun "ein Paar neue Schuhe" oder "ein Paar neuer Schuhe" verlangen sollte. Auch hier ist beides korrekt, denn nach "Paar" kann der folgende Nominalausdruck im Genitiv oder als Apposition stehen. Heute wird allerdings gewöhnlich das appositionelle Verhältnis gewählt, wenn "Paar" im Nominativ oder Akkusativ steht: "Das Paar neue Schuhe gefällt mir gut" oder "Er kauft ein Paar neue Schuhe". Die Genitiv-Konstruktion "ein Paar neuer Schuhe" wird seltener verwendet. Steht "Paar" im Dativ, hat man sogar die Qual der Wahl zwischen drei Möglichkeiten, denn der folgende Nominalausdruck kann als Apposition, im Genitiv oder im Nominativ stehen: "mit zwei Paar neuen Schuhen", "mit zwei Paar neuer Schuhe" oder "mit zwei Paar neue Schuhe". Stimmt die Passform des neuen Paars Schuhe, sollte man sich zu guter Letzt nicht durch nagende Zweifel hinsichtlich der Kongruenz vom Kauf abhalten lassen: Ob Ihnen ein Paar Schuhe 100 Euro wert "ist" oder "sind", kann sprachlich nicht beanstandet werden. Zwar steht das Prädikat in der Regel im Singular, weil das Subjekt "Paar" formal ein Singular ist, oft wird aber nach dem Sinn konstruiert und das Prädikat in den Plural gesetzt - beides gilt als korrekt. Hätten Sie's gewusst? Briefanrede von Brautpaaren Falls in Ihrem Verwandten-, Freundes- oder Bekanntenkreis demnächst eine Hochzeit gefeiert wird, kann das Glückwunschschreiben für Sie unter Umständen zur kniffligen Aufgabe werden: Wie lautet die angemessene Anrede, wenn Sie die Braut duzen, mit dem Bräutigam aber noch per Sie sind? Oder umgekehrt: Sie sind mit dem Bräutigam seit der Schulzeit bekannt und duzen ihn, haben die Braut aber noch nicht persönlich kennengelernt und können sie mithin nicht einfach duzen. Das Brautpaar wird es Ihnen wahrscheinlich nicht verübeln, wenn Sie angesichts einer solchen Konstellation die beiden zusammen mit "ihr" anreden. Ganz korrekt ist diese beiläufige Unterschlagung der Höflichkeitsanrede "Sie" jedoch nicht. Auch die formal einwandfreie doppelte Anrede ist vielfach nicht die Lösung der Wahl, denn die Kombination von Duzen und Siezen kann den Gratulationstext sehr umständlich und zudem stilistisch unschön wirken lassen. Vielleicht ist es Ihnen und dem Hochzeitspaar angenehmer, wenn Sie die Gratulation nur an die Person richten, mit der Sie sich duzen, und den jeweils anderen Teil des Brautpaars ausdrücklich in die Glückwünsche einschließen: "Lieber Marcel, ich wünsche Dir und Deiner Ehefrau zur Hochzeit alles Liebe und Gute" oder "Liebe Lena, Dir und Deinem Ehemann wünschen wir für den gemeinsamen Lebensweg von Herzen alles Gute". Für Sie nachgeschlagen Paarformel Unter einer Paarformel versteht man ein Paar von Wörtern, die in einer bestimmten Reihenfolge meist mit "und" zu einer festen Wendung verbunden sind. Am häufigsten sind Verbindungen von Substantiven (Mann und Maus, Kind und Kegel, Tag und Nacht), von Adjektiven (lieb und wert, rank und schlank, kurz und gut) und Verben (beten und arbeiten, hauen und stechen, recken und strecken). In der Regel steht das Wort an erster Stelle, das dem Menschen oder dem Menschlichen von seiner Bedeutung her am nächsten ist. Eine weitere Tendenz: Das kürzere und von seiner Lautgestalt her leichtere Wort steht vor dem längeren und lautlich schwereren. Noch Fragen? Mittwoch, 26. März 2008No Spam![]() Liebe Leserin, lieber Leser, wer saß nicht schon einmal seufzend vor dem Computer angesichts der Flut unerwünschter Werbemails oft äußerst zweifelhaften Inhalts, der sogenannten Spam-Mails. Der interessanten Geschichte dieses Begriffs sind wir heute im ersten Teil einmal auf den Grund gegangen. Über Blutdruckprobleme unterschiedlicher Art haben viele zu klagen. Kritisch wird dies allerdings, wenn wir im Sprechzimmer des Arztes mit dem entsprechenden Fachchinesisch konfrontiert werden: "Bedenkliche Hypertonie!" oder "Ungewöhnliche Hypotonie!" Den gravierenden Unterschied zwischen den Vorsilben "hyper-" und "hypo-" erklären wir Ihnen gleich. Schließlich haben wir in unserer letzten Rubrik noch Wissenswertes über den Umgang mit Spam-Mails nachgeschlagen. Viel Spaß beim Lesen Was Sie schon immer wissen wollten Spam Als Spam-Mails bezeichnet man unerwünschte Werbemails, mit denen so mancher Inhaber einer E-Mail-Adresse überschüttet wird. Es handelt sich dabei um Massensendungen, die dem Empfänger per E-Mail unverlangt zugesandt werden und für den Versender äußerst lukrativ sind, da mit geringem technischem und finanziellem Aufwand ein großer Publikumskreis angesprochen werden kann. Der Begriff "Spam" war ursprünglich eine Abkürzung für die englische Bezeichnung "spiced pork and ham" (= gewürztes Schweinefleisch und Schinken), eine Art Frühstücksfleisch in Dosen von oft eher mäßiger Qualität. Richtig bekannt wurde es durch einen Sketch der berühmten englischen Komikertruppe Monty Python, in dem in einem Restaurant ständig "Spam" serviert wurde als Symbol des Unausweichlichen im Leben. Im Sketch kommt das Wort "Spam" mehrere Dutzend Mal vor, bis es schließlich niemand mehr hören kann. In der Internet-Sprache wurde der Begriff umgedeutet als Abkürzung für "send phenomenal amounts of mail" (= enorme Mengen an E-Mail versenden). Hätten Sie's gewusst? hyper- und hypo- Die Vorsilbe "hyper-" ist aus dem Griechischen entlehnt, verwandt mit dem lateinischen "super" und bedeutet "über, über...hinaus, übermäßig", während "hypo-", ebenfalls aus dem Griechischen stammend, verwandt mit lateinisch "sub", die Bedeutung "unter, darunter" hat. In Bildungen mit Adjektiven und Substantiven drückt "hyper-" die übermäßige Größe oder Funktion bzw. eine generelle Verstärkung aus: "Hypertonie", "hyperempfindlich", "hypernervös". Die Vorsilbe "hypo-" findet überwiegend in der medizinischen und biologischen Fachsprache Verwendung und bezeichnet die Unterentwicklung oder Unterfunktion von Organen. Zurück zu unserem Arztbesuch: Die Hypertonie ist also der Bluthochdruck, während die Hypotonie einen chronisch niedrigen Blutdruck bezeichnet. Für Sie nachgeschlagen Was tun gegen unerwünschte E-Mail-Werbung? Wer ein E-Mail-Postfach hat, ist vor der elektronischem Werbe- und Informationsflut nicht gefeit. Um sich selbst zu entlasten, sollten Sie einen Spam-Filter einrichten oder aktivieren. Ein solches Programm ist dem Posteingang vorgeschaltet und verhindert, dass unerwünschte Werbe-E- Mails überhaupt zugestellt werden. [...] Spams auf keinen Fall beantworten! Niemals sollten Sie eine Spam-E-Mail beantworten, schon gar nicht mit der Bitte, Sie aus dem Verteiler zu streichen. Denn ungewollt bestätigen Sie dem Empfänger so die Richtigkeit Ihrer E-Mail-Adresse. Wer antwortet, wird fortan erst recht mit Spam-Mails überhäuft, zumal unter den Versendern auch ein reger Handel mit E-Mail-Adressen stattfindet. Spams sollten Sie stets löschen. Bei manchen E-Mail-Programmen und -Anbietern haben Sie die Möglichkeit, einen Absender dauerhaft als "Spammer" einzustufen, indem Sie ihn in eine schwarze Liste eintragen. E-Mails von dieser Adresse werden Ihnen dann nicht mehr zugestellt. Noch Fragen? Sonntag, 9. März 2008Geld stinkt nicht![]() Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Ihr Steuerberater pfiffig ist, scheint es sich ja von selbst zu verstehen, dass Sie es dann mit einem pfiffigen Steuerberater zu tun haben. Erweist er sich aber - was wir Ihnen nun wirklich nicht wünschen - eher als plemplem, redet man wohl kaum von einem "plemplemen" Steuerberater. Wieso nicht, das erfahren Sie gleich zu Beginn. Die diesjährige Steuererklärung bereitet Ihnen Kopfzerbrechen? Dass die Steuererklärung deshalb "diesjährig" für Kopfzerbrechen sorgt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Dazu mehr in unserer zweiten Rubrik. Und schließlich haben wir - passend zum Thema Steuern - noch nachgeschaut, wo die Redensart "Geld stinkt nicht" ihren Ursprung hat. Viel Spaß beim Lesen ! Für Sie nachgeschlagen Geld stinkt nicht "auch unrechtmäßig oder auf unmoralischem Wege erworbenes Geld erfüllt seinen Zweck" [...] Von dem römischen Kaiser Vespasian wird überliefert, dass er von seinem Sohn getadelt worden sei, weil er die römischen Bedürfnisanstalten mit einer Steuer belegt hatte. Darauf habe der Kaiser seinem Sohn das so eingenommene Geld unter die Nase gehalten und ihn gefragt, ob es streng rieche. Die lateinische Feststellung "non olet" (es stinkt nicht) ist der Ausgangspunkt der uns heute geläufigen Redensart. Was Sie schon immer wissen wollten Adjektive, die nur prädikativ verwendet werden In der Regel können Adjektive wie "schön, trickreich, genau" auf drei verschiedene Weisen im Satz eingesetzt werden, und zwar 1. als Beifügung, also attributiv: "der schöne Galan, die trickreiche Lösung, die genaue Startzeit"; 2. als Teil des Prädikats, also prädikativ: "Der Galan macht sich schön", "Die Lösung ist trickreich"; 3. als Umstandsbestimmung, also adverbial: "Der Galan raspelt schön Süßholz", "Die Startzeit ist genau einzuhalten". Allerdings: Es gibt sie auch hier - die berüchtigten Ausnahmen. Einige Adjektive nämlich werden nie als Beifügung verwendet. Adjektive, die nicht attributiv verwendet werden, sind aber meist auch adverbial nicht recht zu gebrauchen; so bleibt der prädikative Gebrauch. Solche Adjektive sind etwa "plemplem, futsch, kirre, quitt, schnuppe" u. a.: "Ihr Steuerberater ist doch plemplem; jetzt ist Ihre ganze Abschreibung futsch. Das macht mich noch ganz kirre." Zu diesen zählen einige Grammatiker auch "meschugge"; allerdings finden sich - vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - auch Belege für den attributiven Gebrauch: "Heiliger Äskulap! Der du die Ärzte eingesetzt hast ... sowie die meschuggenen Patienten" (Kurt Tucholsky). Die meisten dieser Adjektive können auch nicht substantiviert werden. Nicht möglich: "So was 'Plemplemes' wie Sie hab ich ja noch nie erlebt." Hätten Sie's gewusst? Adjektive, die nur attributiv verwendet werden Einige Adjektive werden gewöhnlich nur attributiv gebraucht. Dies gilt zum Beispiel für Adjektive, die die räumliche oder zeitliche Lage angeben: "diesjährig, morgendlich, nächtlich" u. a.: "eine nächtliche Ruhestörung", aber nicht: "Die Ruhestörung war nächtlich, ... hat nächtlich stattgefunden." Ebenso fehlen sowohl die prädikative als auch die adverbiale Verwendung bei Adjektiven immer dann, wenn sie z. B. Folgendes ausdrücken: - Zugehörigkeit, etwa: "das väterliche Haus", "Hasenclever'sche Komödien", aber nicht: "Das Haus ist väterlich" oder "Die Komödien sind Hasenclever'sch". - Herkunft, etwa: "tierische Fette", "rheinischer Tagebau", aber nicht: "Die Schnitzel sind nicht pflanzlich, sondern nur tierisch zu fetten" oder "Der Tagebau ist rheinisch". - Bereiche, etwa: "schulische Leistungen", "wirtschaftliche Sorgen", aber nicht: "Die Leistungen sind schulisch" oder "Die Sorgen waren wirtschaftlich". Wenn solche Adjektive aber eine andere Bedeutung haben, gilt diese Beschränkung nicht: "Die Kompostieranlagen sind/arbeiten wirtschaftlich (= rentabel)", "Er war sehr väterlich (= wie ein Vater)". Noch Fragen? Mittwoch, 27. Februar 2008Nachgeschlagen: Doktorspiele...![]() Liebe Leserin, lieber Leser, haben Sie sich auch schon mal gefragt, welche Briefanreden für mehrere Doktorinnen und Doktoren - zum Beispiel in einer Gemeinschaftspraxis - den aktuellen Gepflogenheiten entsprechen? Des Rätsels Lösung finden Sie in der ersten Rubrik. Unsicherheit herrscht vielfach auch darüber, wie ein Professor oder eine Professorin korrekt angeredet oder angeschrieben wird. Empfehlungen hierzu erhalten Sie in der zweiten Rubrik. Zum Schluss haben wir noch für Sie nachgeschlagen, was bei der Vorstellung von Trägerinnen und Trägern eines Doktor- oder Professorentitels zu beachten ist. Viel Spaß beim Lesen Was Sie schon immer wissen wollten Anrede von Doktorinnen und Doktoren Da muss nicht lange herumgedoktert werden: Wenn Sie mehrere Doktorinnen und Doktoren, beispielsweise in einer Gemeinschaftspraxis, anschreiben möchten, lautet die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren Doktoren". Handelt es sich ausschließlich um Männer, heißt die Anrede "Sehr geehrte Herren Doktoren". Setzt sich die Gruppe aus promovierten Frauen zusammen, redet man jede einzelne Person in alphabetischer Reihenfolge mit dem Namen an: "Sehr geehrte Frau Dr. Angerer, Frau Dr. König und Frau Dr. Müller". Hat eine Person mehrere Doktortitel, werden diese in der Anschrift hintereinander ohne Komma aufgeführt: "Dr. phil. Dr. med. Helga Schneider". Anders sieht es bei der Anrede aus, denn hier wird der Doktortitel nur einmal genannt: "Sehr geehrte Frau Dr. Schneider". Hätten Sie's gewusst? Professorinnen und Professoren anschreiben oder anreden Verfassen Sie einen Brief an eine Professorin oder einen Professor, werden im Anschriftfeld alle Titel aufgeführt, wobei "Professorin" bzw. "Professor" abgekürzt und nach DIN 5008 in dieselbe Zeile wie der Name geschrieben wird: Frau Prof. Dr. Claudia Kaminski XY-Universität oder: XY-Universität Frau Prof. Dr. Claudia Kaminski In der Briefanrede hingegen wird der Professorentitel immer ausgeschrieben. Im offiziellen Sprachgebrauch wird ein Professor mündlich und schriftlich als "Herr Professor" angeredet; den Namen kann man hinzufügen. Eine Frau wird als "Frau Professor" oder als "Frau Professorin" angesprochen; auch hier kann der Familienname zusätzlich genannt werden. Für Sie nachgeschlagen Vorstellen von Doktor(inn)en und Professor(inn)en Stellen Sie andere Personen vor, dann nennen Sie immer deren Titel. Akademische Grade gehören unbedingt dazu (Doktor, Professor). Bei Mehrfachtiteln (Prof. Dr. Dr. Dr. h. c.) nennen Sie nur den höchsten. [...] Es gehört allerdings nicht zum guten Ton, den eigenen Doktorgrad oder Professorentitel zu nennen, wenn man sich selbst vorstellt. Hier lassen Sie üblicherweise den Titel weg. [...] Erfahren Sie später, dass eine Person, die sich Ihnen ohne Titel vorgestellt hat, eigentlich einen Doktorgrad oder einen Professorentitel hat, reden Sie diese Person einfach ab dem Zeitpunkt mit ihrem Titel an, an dem Sie davon erfahren haben. Noch Fragen? Montag, 11. Februar 2008Für Sie nachgeschlagen...![]() Liebe Leserin, lieber Leser, im September des letzten Jahres gingen die Bilder demonstrierender buddhistischer Mönche in Myanmar durch die Weltpresse. Im heutigen Newsletter sind wir der Frage nachgegangen, warum uns die Bezeichnung Birma oder auch Burma vertrauter ist als der Name Myanmar. Für unzählige Sportfans gibt es am Samstag kaum etwas Schöneres als "Fußball total"! Lesen Sie im zweiten Teil, wann derartige Umkehrungen der im Deutschen üblichen Adjektiv-Substantiv-Abfolge möglich sind. Abkürzungen sind Teil unseres Lebens geworden, hin und wieder haben wir vielleicht sogar das Gefühl, sie nehmen überhand. Interessantes zu diesem Thema haben wir für Sie nachgeschlagen. Viel Spaß beim Lesen! Was Sie schon immer wissen wollten Birma - Burma - Myanmar Auf den ersten Blick scheinen die beiden Bezeichnungen für das Land am Golf von Bengalen - Birma beziehungsweise Burma und Myanmar - nichts miteinander zu tun zu haben. Tatsächlich ist jedoch "Bamar" die im Land selbst übliche umgangssprachliche Form von "Myanmar", aus der die uns vertrauten Bezeichnungen "Birma" und "Burma" entstanden sind. "Burma" ist die Schreibung des angelsächsischen Sprachraums, die auch von Skandinavien, der Schweiz und Ungarn übernommen wurde, während "Birma" vorwiegend im romanischen Sprachraum verwendet wird und auch in Deutschland am geläufigsten ist. Die Einwohner von "Birma" heißen "Birmanen", das zugehörige Adjektiv "birmanisch"; zur Namensform "Burma" dagegen gehört die Einwohnerbezeichnung "Burmese" sowie das Adjektiv "burmesisch". Bereits 1989 übrigens wurde der englische Staatsname in "Union of Myanmar" geändert und diese Bezeichnung findet in der Weltpresse zunehmend Verwendung. Die entsprechende Einwohnerbezeichnung lautet im Deutschen "Myanmare", das Adjektiv "myanmarisch". Hätten Sie's gewusst? Nachstellung des unflektierten Adjektivs Bei der Stellung der Adjektive unterscheiden wir im Deutschen die prädikative, d. h. zur Satzaussage gehörende, und die attributive, d. h. beifügende Stellung. In der prädikativen Stellung bleibt das Adjektiv ungebeugt: "Dieser Mittelstürmer ist fantastisch!" Steht ein Adjektiv in attributiver Stellung, steht es in der Regel vor dem Substantiv und wird entsprechend flektiert: "ein fantastischer Mittelstürmer", "der erboste Trainer", "begeisterte Zuschauer". Die Sprache der Werbung bedient sich gern der umgekehrten Variante: Substantiv plus unflektiertes Adjektiv. "Whisky pur", "Henkell trocken", "Krönung light". Auch in der Umgangssprache werden solche Formulierungen oft gebraucht und fungieren dort als ausdrucksverstärkendes Stilmittel: "Sonntags gibt es bei uns im Moment Spargel satt!"; "Das ist einfach Leben pur." Für Sie nachgeschlagen Abkürzungen - historischer Abriss Abkürzungen und besonders Kurzwörter [...] sind ein Phänomen der modernen Zeit, heißt es immer wieder. Das stimmt zwar für die Masse an Kurzformen, aber die Idee, Wörter abzukürzen, um auf ökonomische Art zu kommunizieren, ist nicht neu. [...] Und tatsächlich finden sich schon in frühesten Schriftzeugnissen Kürzel (etwa die Kreuzesinschrift INRI oder SPQR für den römischen Senat); und auch die mittelalterlichen Handschriften und Urkunden sind dafür bekannt, dass sie eine Vielzahl an Kurzformen enthalten. Ein signifikanter Anstieg an Kurzformen ist im späten 19. Jahrhundert und besonders im 20. Jahrhundert zu beobachten, was hauptsächlich mit der industriellen Revolution und der Entwicklung der Fachsprachen zusammenhängt. Denn vor allem aus der Fachkommunikation sind Kurzwörter nicht mehr wegzudenken. [...] Frühe Belege für Kurzwörter, die nicht als reine Augenblicksbildungen zu betrachten sind, sondern die als solche in die Kommunikation aufgenommen wurden, sind etwa Hapag (= Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien- Gesellschaft, 1847) und BGB (= Bürgerliches Gesetzbuch, 1900 in Kraft getreten). In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann sich eine Kurzwortforschung innerhalb der Sprachwissenschaft zu entwickeln, die bis heute dem Phänomen von Abkürzungen und Kurzwörtern auf der Spur ist, denn die Kurzwortbildung stellt heute unumstritten einen wichtigen Teil der Wortbildung dar. Noch Fragen? Dienstag, 29. Januar 2008Nachgeschlagen...![]() Liebe Leserin, lieber Leser, hat sich nicht jeder von uns schon einmal als völligen Versager empfunden? Halb so schlimm - zumindest, solange man sich nicht fortwährend als völliger Versager erweist. Aber erweise ich mich denn sprachlich nicht schon als völliger Versager, wenn ich mich als "völligen Versager" empfinde? Versagen wollen wir Ihnen die Antwort darauf jedenfalls nicht. Vielleicht sollten wir uns aber gar nicht zu sehr mit solchen Feinheiten plagen, sondern eher den lieben Gott "ein guter Mann" sein lassen oder vielmehr "einen guten Mann" sein lassen? Und was es mit dieser und anderen Wendungen um "Gott" und "Götter" auf sich hat, haben wir noch für Sie nachgeschlagen. Viel Spaß beim Lesen ! Was Sie schon immer wissen wollten sich als völligen/völliger Versager empfinden Ob sich jemand nun als völliger oder als völligen Versager empfindet, sagt nun wirklich nichts Entscheidendes über seine sprachliche Kompetenz aus. Beides ist möglich. Anders verhält es sich dagegen mit "sich erweisen". Hier funktioniert allein: "Niemand erweist sich fortwährend als völliger Versager." Woran liegt das? Es liegt daran, dass "empfinden" in unserem Beispiel zwar reflexiv verwendet wird, aber kein echt reflexives Verb ist. Wird nämlich ein nicht echt reflexives Verb, von dem eine Fügung mit "als" oder "wie" abhängt, reflexiv verwendet, ist sowohl der Bezug auf das Subjekt (im Nominativ) möglich als auch der auf das Reflexivpronomen (im Akkusativ): "Jeder hat sich schon einmal als absoluter/absoluten Versager empfunden. Der Filmpreisträger sieht sich schon als großer/großen Hollywoodstar." Nicht echt reflexiv ist ein Verb dann, wenn statt des Reflexivpronomens ("mich, dich, sich" u. a.) auch etwas anderes eingesetzt werden könnte. Tut man dies, ist allerdings nur noch der Akkusativ möglich: "Jeder hat seinen Chef schon mal als absoluten Versager empfunden. Der Regisseur sieht den Filmpreisträger schon als großen Hollywoodstar." Dagegen sind Verben wie "sich erweisen, sich verhalten, sich zeigen" usw. echt reflexive Verben. Bei ihnen kann man das Reflexivpronomen nicht durch etwas anderes ersetzen. Bei echt reflexiven Verben, von denen eine Fügung mit "als" oder "wie" abhängt, ist stets nur der Bezug auf das Subjekt (im Nominativ) möglich: "Fast jeder hat sich schon mal als ganz, ganz gewiefter Experte gezeigt." "Der Filmpreisträger verhielt sich schon wie ein Hollywoodstar." Hätten Sie's gewusst? den lieben Gott einen guten/ein guter Mann sein lassen Bei dieser Wendung handelt es um den - bei Lateinschülern berüchtigten - Akkusativ mit Infinitiv (lateinisch a. c. i. = accusativus cum infinitivo). Das ist eine Konstruktion, mit der zwei Sachverhalte kombiniert werden, indem das Akkusativobjekt des ersten Verbs zugleich als Handlungsträger des zweiten fungiert: "Der Kriminalbeamte hört die Flöhe. Die Flöhe husten." Kombiniert: "Der Kriminalbeamte hört die Flöhe husten." Im Deutschen ist der Akkusativ mit Infinitiv auf die Verben "fühlen, heißen, hören, lassen, machen, sehen, spüren" beschränkt. In einem Satz nun wie "Der liebe Gott ist ein guter Mann" ist das Verb "sein" durch einen (prädikativen) Nominativ, nämlich "ein guter Mann", erweitert. Auch solch ein Satz mit prädikativem Nominativ kann in einen Akkusativ mit Infinitiv einbezogen werden. Dann wird das ursprüngliche Subjekt zum Akkusativobjekt ("den lieben Gott"), während der prädikative Nominativ ("ein guter Mann") sowohl im Akkusativ wie auch im Nominativ auftreten kann. In festen Redewendungen kommt jedoch überwiegend der Akkusativ vor: "Wir lassen den lieben Gott einen guten Mann (selten: ein guter Mann) sein." Für Sie nachgeschlagen Wendungen um "Gott" und "Götter" "Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen": Wer den lieben Gott einen guten oder frommen Mann sein lässt, stellt sich Gott nicht als Rachegott vor, der die Menschen für ihren Müßiggang bestraft, und verbringt unbekümmert seine Zeit. [...] "Ein Bild für die Götter": So oder auch als "Anblick" oder "Schauspiel für die Götter" bezeichnet man scherzhaft einen komischen oder gar grotesken Anblick, den jemand oder etwas bietet. [...] Eine solche Wendung findet sich schon in Goethes Singspiel "Erwin und Elmire" (1775), wo es heißt: "Ein Schauspiel für Götter/Zwei Liebende zu sehn!/Das schönste Frühlingswetter/Ist nicht so warm, so schön" (I, 1). Bei Goethe wird also das "Schauspiel für Götter" noch als etwas sehr Schönes, keineswegs als etwas Lächerliches angesehen. "Leben wie Gott in Frankreich": Wer wie Gott in Frankreich lebt, lebt im Überfluss. [...] Die Herkunft dieser Wendung ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise entstand sie kurz nach der Französischen Revolution, als in Frankreich für einige Zeit der "Kult der Vernunft" an die Stelle des Christentums gesetzt wurde. Der Gott des Christentums hatte damals sozusagen keine Arbeit mehr und konnte es sich bequem machen. Nach dieser Vorstellung könnte die Wendung im Volksmund entstanden sein. Nach einer anderen Erklärung ist mit "Gott" die französische Geistlichkeit gemeint, der es bisweilen materiell sehr gut ging. Noch Fragen? Sonntag, 13. Januar 2008Nachgeschlagen...![]() Liebe Leserin, lieber Leser, zu Beginn des neuen Jahres werfen wir gleich einmal einen Blick auf den aktuellen "Baum des Jahres" - den Walnussbaum. Woher stammt eigentlich der Begriff "Walnuss"? Diese Nuss knacken wir für Sie in der ersten Rubrik. Vielleicht sind Sie momentan in der Situation, dass Sie das eine oder andere Weihnachtsgeschenk doch wieder verscherbeln wollen? Im zweiten Abschnitt geben wir Ihnen Tipps zur richtigen Formulierung eines Kaufangebots. Zu guter Letzt wagen wir noch einen Blick aufs Horoskop. Keine Sorge, wir erweitern unseren Newsletter nicht um eine Horoskop-Rubrik, sondern wir haben lediglich für Sie nachgeschlagen, wo das Wort seinen Ursprung hat. Gute Unterhaltung! Was Sie schon immer wissen wollten Walnuss Das Wort "Walnuss" ist im Hochdeutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt und stammt aus dem Niederdeutschen (mittelniederdeutsch "walnut"). Der ursprünglich aus dem Orient stammende Walnussbaum kam aus Italien zu uns. Daher wurde die Walnuss bis ins 18. Jahrhundert auch als "welsche Nuss" bzw. "Welschnuss" bezeichnet. Der erste Bestandteil des Wortes geht somit auf das altgermanische Adjektiv "welsch" in der Bedeutung "romanisch, bes. italienisch, französisch" zurück. Der Begriff "welsch" wiederum lässt sich auf ein germanisches Substantiv zurückführen, das ursprünglich die keltischen Bewohner westeuropäischer Gebiete bezeichnete und dem ein keltischer Stammesname (lateinisch "Volcae") zugrunde liegt. Dieses Substantiv ist in mittelhochdeutsch "walch", althochdeutsch "walah" und altenglisch "wealh" (= "Welscher") erhalten. Nach der Besetzung der keltischen Gebiete durch die Römer ging die Bezeichnung auf die dortige romanische Bevölkerung über, besonders auf diejenige in Gallien und Italien. Und somit kamen durch die Vermittlung der Römer schließlich auch die Germanen in den Genuss einer "welschen Nuss". Bei den Schweizern wird die Walnuss übrigens auch schlicht und ergreifend "Baumnuss" genannt. Hätten Sie's gewusst? Preiswerter/Preiswerten DVD-Player zu verkaufen Wenn Sie an Weihnachten überreich beschenkt wurden und jetzt einen DVD-Player o. Ä. wieder abzugeben haben, kommen Sie vielleicht in die Verlegenheit, eine Anzeige zu formulieren. Doch dabei stellen sich oft schon die ersten Zweifel ein. Heißt es nun "Preiswerten DVD-Player zu verkaufen" oder wäre nur die Formulierung "Preiswerter DVD-Player zu verkaufen" richtig? Wir können Sie beruhigen - in diesem Fall ist beides möglich. Der Text ist als unvollständiger Satz aufzufassen und kann auf zweierlei Art ergänzt werden: Zum einen kann "DVD-Player" Subjekt sein im Sinne von "Ein preiswerter DVD-Player ist zu verkaufen", zum anderen kann er aber auch Objekt sein im Sinne von "Ich habe einen preiswerten DVD-Player zu verkaufen". Anders verhält es sich übrigens bei einem Kaufgesuch. In Formulierungen wie "Preiswerter DVD-Player gesucht" ist ausschließlich der Nominativ korrekt. Man fragt: Was wird gesucht? Der Akkusativ ("Preiswerten DVD-Player gesucht") ist hier fehl am Platze! Für Sie nachgeschlagen Horoskop "astrologische Zukunftsdeutung": Das aus Schillers Wallenstein bekannte Fremdwort ist aus gleichbedeutend spätlateinisch "horoscopium" entlehnt, das auf griechisch "horo-skopeion" zurückgeht. Es ist dies der Name eines Gerätes - eigentlich "Stundenschauer" -, das zur Ermittlung der Planetenkonstellation bei der Geburt eines Menschen diente und eine dementsprechende Schicksalsdeutung ermöglichte. Das Grundwort von griechisch "horoskopein" gehört zu griechisch "skeptesthai" ("spähen, schauen, betrachten"). Bestimmungswort ist griechisch "hora" ("Stunde"). Noch Fragen?
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