Handwerk stabilisiert Beschäftigung
„Das Handwerk wird seine Mannschaftsstärken im Wesentlichen halten“, verspricht ZDH-Präsident Otto Kentzler im Interview mit dem Magazin Focus (03.08.2009). Der Arbeitsmarkt stürzt nach seiner Ansicht nicht ab: „Die Konjunkturprogramme beginnen jetzt zu wirken. Es gibt wieder Arbeit.“ Als einen Weg aus der Krise empfiehlt der Handwerkspräsident längere Arbeitszeiten, fordert die Orientierung auch anderer Branchen an der 40-Stunden-Woche des Bauhauptgewerbes.
Herr Kentzler, die Arbeitslosenzahlen steigen wieder, im Herbst droht der große Absturz...
Kentzler: Moment mal. Der Arbeitsmarkt stürzt wohl nicht ab. Es wird da keinen Super-GAU geben, allenfalls einen Durchhänger. Mir ist nicht bange.
Ihnen vielleicht nicht, aber Millionen Arbeitnehmer machen sich Sorgen um ihre Jobs.
Kentzler: Sicher gibt es Grund zur Sorge. Aber auch zur Zuversicht. Die Lage bessert sich doch. Viele Bänder laufen wieder. Kurzarbeit wird zurückgefahren, auch in der Autoindustrie. Jetzt sollte mal Schluss sein mit der ganzen Schwarzmalerei, wir sollten vielmehr die Ärmel aufkrempeln.
Sind Chefs, die sich überlegen, ob sie ihre Leute nach den Ferien noch halten können, Schwarzmaler?
Kentzler: Im Handwerk werden wir unsere Mannschaftsstärken im Wesentlichen halten. Wir befürchten in diesem Jahr ein Minus von höchstens 30.000 bis 40.000 Jobs, weniger als 1 Prozent.
Immerhin. Und in anderen Branchen stehen viel mehr Arbeitsplätze auf der Kippe...
Kentzler: Ich bin sicher, dass die meisten Mittelständler und Familienunternehmen zu ihren Belegschaften halten. Die Konjunkturprogramme beginnen jetzt zu wirken. Das Handwerk hat im Schnitt ein Auftragspolster von sechs Wochen, ungefähr wie vor einem Jahr. Die Kapazitätsauslastung lag im zweiten Quartal bei 74 Prozent. 70 Prozent unserer Unternehmer rechnen mit einer weiterhin stabilen Entwicklung.
Es gibt wieder Arbeit?
Kentzler: Es gibt wieder Arbeit. Die Mitarbeiter ziehen mit, wollen mehr schaffen, um die Einbußen durch die Kurzarbeit wieder reinzuholen. Und die Unternehmer kennen ihre Verantwortung und sind bereit, in guten Jahren verdientes Geld für die Stabilisierung der Firmen aufzuwenden. Schließlich brauchen wir unsere Facharbeiter für den prognostizierten Aufschwung.
Sie empfehlen längere Arbeitszeiten als Weg aus der Krise?
Kentzler: Ich erlebe das doch tagtäglich. In Familienbetrieben kennen die Arbeitnehmer die Lage. Sie sind beispielsweise bereit, länger zu arbeiten, um die Defizite des Winter-Halbjahrs aufzuholen. Wir müssen uns jedoch auch in anderen Branchen an der Arbeitszeit des Bauhauptgewerbes orientieren, um aus der Krise raus zu kommen. Eine 40-Stunden-Woche etwa im SHK-Bereich würde unsere Wettbewerbsfähigkeit auch im Hinblick auf die Schwarzarbeit schlagartig verbessern.
Interview: Hans-Jürgen Moritz
Quelle:
Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH)