Paktpartner sind für die Bundesregierung die Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie, Arbeit und Soziales sowie Bildung und Forschung, für die Wirtschaft der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Bundesverband der freien Berufe.
Mit dem Ausbildungspakt verpflichten sich die Partner, in enger Zusammenarbeit mit den Ländern jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Ausbildungsangebot zu machen.
Die Wirtschaft setzt sich das verbindliche Ziel, während der Dauer dieses Paktes
- im Durchschnitt pro Jahr 60.000 neue Ausbildungsplätze einzuwerben.
- jährlich 30.000 neue Ausbildungsbetriebe einzuwerben.
- jährlich 40.000 Plätze für betrieblich durchgeführte Einstiegsqualifizierungen bereitzustellen
- und eine weiterhin hohe Übernahmequote in betriebliche Ausbildung anzustreben.
Ausblick 6. Paktjahr 2009
Im fünften Paktjahr wurden die Pakt-Zusagen erneut deutlich erfüllt und in vielen Bereichen weit übertroffen. Jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen konnte entsprechend der Pakt-Zusage ein Angebot auf Ausbildung gemacht werden.
Trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind auch positive Signale für das Ausbildungsjahr 2009 erkennbar. Viele Betriebe werden auch im Jahr 2009 konsequent eine vorausschauende Personalplanung betreiben und ihr hohes Ausbildungsengagement fortführen. Rückläufige Schulabgängerzahlen werden zudem entlastend auf den Ausbildungsmarkt wirken.
Klar ist aber auch: je länger Deutschland sich in der Rezession befinden wird, desto größer werden die Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt im Jahr 2009 sein. Die Bundesregierung hat vor diesem Hintergrund die Konjunkturpakete I und II verabschiedet, um die Binnennachfrage u. a. mit erheblichen Investitionen der öffentlichen Hand in Zukunftsbereiche wie Bildungsinfrastruktur zu stärken und Impulse für eine rasche Überwindung der Krise zu setzen.
Ausbildungspakt sichert Chancen – auch in der Wirtschaftskrise
Paktpartner engagieren sich für Stabilität auf dem Ausbildungsmarkt
Auch im Jahr 2009 gelten die Zusagen des Ausbildungspakts. Die Paktpartner bekräftigen
das Ziel, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot auf
Ausbildung zu machen. Der Ausbildungspakt steht im Jahr 2009 vor zwei besonderen Herausforderungen:
Wirtschaftskrise und demografiebedingter Rückgang bei den Bewerbern
prägen die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Die Paktpartner werden auch angesichts
dieser schwierigen Rahmenbedingungen alles dafür tun, Jugendlichen eine Perspektive
für eine Berufsausbildung zu geben, und die Betriebe bestärken, durch Kontinuität in der
Berufsausbildung den eigenen Fachkräftenachwuchs dauerhaft zu sichern.
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt
Die Auswirkungen von Wirtschaftskrise und Demografie auf den Ausbildungsmarkt sind je
nach Region und Branche unterschiedlich. Insbesondere in den alten Ländern brechen vielen
Betrieben die Aufträge weg. In der Folge ist nicht auszuschließen, dass sie nicht wieder
auf dem Niveau der Vorjahre ausbilden. In den neuen Ländern leiden Betriebe und Freiberufler
dagegen stärker unter dem demografiebedingten Bewerberrückgang (15,5 Prozent weniger
Schulabgänger 2009 als im Vorjahr) und haben zunehmend Probleme, ihre angebotenen
Ausbildungsplätze auch zu besetzen. Insgesamt zeigt sich, dass viele Unternehmen trotz
schwieriger Rahmenbedingungen weiter engagiert an Ausbildung festhalten.
Die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz sind aktuell trotz Krise in der
Tendenz so gut wie in den vergangenen Jahren. Denn die Zahl der Bewerber – und auch der
„Altbewerber“ – geht bislang stärker zurück als die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze.
Dies zeigen die bis jetzt vorliegenden Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA): Die Zahl
der Bewerber um Ausbildungsstellen ist im Mai 2009 gegenüber dem Vorjahr um 14,2 Prozent,
die der angebotenen betrieblichen Ausbildungsstellen um 5,4 Prozent zurückgegangen.
Damit ist die Bewerber-Stellen-Relation derzeit sogar besser als in den Jahren zuvor. Im Mai
2009 lag die Zahl der bis dahin neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei Industrie,
Dienstleistungen und Handel um 5,7 Prozent und im Handwerk um 9,8 Prozent unter dem
Vorjahresergebnis.
In den nächsten Monaten intensivieren die Paktpartner ihre gemeinsamen Anstrengungen
zur Umsetzung ihrer Ziele. Die Integration der Jugendlichen in betriebliche Berufsausbildung
hat dabei Vorrang. Zudem gibt es noch ein Potenzial an 40.000 von der Wirtschaft zugesagten
Plätzen für betriebliche Einstiegsqualifizierungen (EQ), die sich in den letzten Jahren als
erfolgreiche Brücke in Ausbildung erwiesen haben. Die BA kann bis zu 45.000 benachteiligte
Jugendliche durch eine außerbetriebliche Berufsausbildung unterstützen. Auch Bundesregierung
und Länder setzen ihre entsprechenden Förderprogramme zur außerbetrieblichen Berufsausbildung
fort.
Mehr Transparenz über unbesetzte Ausbildungsstellen
Die Paktpartner ermutigen die Jugendlichen, sich intensiv um betriebliche Ausbildungsplätze
zu bewerben. Es gibt aktuell noch viele unbesetzte Lehrstellen, gerade in den neuen Bundesländern,
auf die Kammern, Verbände und Agenturen für Arbeit verstärkt hinweisen. Die
Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern werden in sogenannten Wochen
der Ausbildungschance offene Ausbildungsplätze intensiv bewerben und dadurch die
Transparenz über unbesetzte Lehrstellen verbessern.
Kurzarbeit und Ausbildung
Auch Ausbildungsbetriebe sind von Kurzarbeit betroffen. Seitens kurzarbeitender Betriebe
muss alles getan werden, um die Berufsausbildung ohne Qualitäts- und Zeitverlust fortzusetzen.
Kammern und Agenturen für Arbeit sowie Verbände beraten und unterstützen die Unternehmen
dabei. Viele Betriebe gehen mit gutem Beispiel voran und halten die Ausbildung
aufrecht, indem sie beispielsweise Auszubildende in nicht betroffene Abteilungen umsetzen,
den Betrieb der Lehrwerkstätten fortführen, die Reihenfolge der Ausbildungsabschnitte anpassen
oder theoretische Schulungen vorziehen. Auch eine Fortführung als Verbundausbildung
oder die Nutzung überbetrieblicher Ausbildungskapazitäten sowie die gegenseitige
Unterstützung betroffener Betriebe können eine Lösung darstellen.
Unterstützung von Auszubildenden aus insolventen Betrieben
Die Paktpartner setzen sich verstärkt dafür ein, dass Auszubildende aus insolventen Betrieben
ihre Ausbildung fortsetzen können. Erste Ansprechpartner für die Jugendlichen sind die
Kammern und die Agenturen für Arbeit. Unterstützend greifen hierbei Länderprogramme und
das Arbeitsförderungsrecht, insbesondere der Ausbildungsbonus für Auszubildende aus Insolvenzbetrieben.
Anmerkung: Die Partner des Nationalen Ausbildungspakts haben heute bei ihrer Sitzung
auch mit dem KMK-Präsidenten und drei weiteren Kultusministern die Themen „Ausbildungsreife
/ Berufsorientierung“ und „Doppelte Abiturjahrgänge“ beraten. Auf diese Beratungen
beziehen sich die beiden folgenden Abschnitte dieser Presseinformation.
Verbesserung der Ausbildungsreife und der Berufsorientierung
Zu viele Jugendliche sind nach Abschluss der allgemein bildenden Schule nicht in der Lage,
eine Berufsausbildung zu beginnen und abzuschließen. Diese Aufgabe können die Paktpartner
nicht alleine lösen. Daher haben sich die Paktpartner, die Bundesagentur für Arbeit und
die Integrationsbeauftragte mit der Kultusministerkonferenz in einer gemeinsamen Erklärung
zur Ausbildungsreife und Berufsorientierung darauf verständigt, verstärkt gemeinsam zu
handeln und im Ausbildungspakt regelmäßig über Fortschritte zu berichten.
Doppelte Abiturjahrgänge
In den kommenden Jahren werden aufgrund der Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien
von 9 auf 8 Jahre doppelte Abiturjahrgänge die Schule verlassen. Dies wird in den einzelnen
Ländern versetzt geschehen, bundesweit werden die höchsten Absolventenzahlen bei diesem
Schulabschluss in den Jahren 2011 bis 2013 zu erwarten sein. Mit Blick auf den demografischen
Wandel liegt in den doppelten Abiturjahrgängen die Chance, mehr junge Menschen
auszubilden sowie auch für ein Hochschulstudium zu gewinnen und damit insgesamt
den Fachkräfte- und akademischen Nachwuchs zu verstärken.
Die Paktpartner und die Länder werden alles dafür tun, dass diese Chancen genutzt werden
und die Aussichten der Jugendlichen, die in diesen Jahren die Schule verlassen oder bereits
länger einen Ausbildungsplatz suchen, so gut wie in den vorangegangenen Jahren sind.
Dies gilt auch für Schülerinnen und Schüler mit einem Hauptschulabschluss, benachteiligte
Jugendliche und „Altbewerber“.
Ouellen:
Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V.
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie