Liebe Leserin, lieber Leser,
zugegeben, in einem Ausdruck wie "Den Kies, die Kohle,
die Asche, die Flocken wollten jene sieben" hilft auch die
Regelung zur Groß- und Kleinschreibung nicht recht dabei, zu
unterscheiden, ob hier mit "sieben" das Verb oder die Grundzahl
gemeint ist. Bei den "sieben/Sieben Bergen" allerdings hilft
die Regelung schon. Mehr zur Groß- oder Kleinschreibung von
Grundzahlen gleich in der ersten Rubrik.
Kommen wir von sieben zu dreißig. Welcher Familienname ist
eigentlich gemeint, wenn der Name in Großbuchstaben wiedergegeben
ist: NIKODEMUS URS DREISSIGER? Ist es "Dreissiger" oder
"Dreißiger"? Ein Großbuchstabe für das Eszett wäre da doch von
Nutzen. Den gibt es seit Kurzem. Aber ist er überhaupt zulässig?
Gut jedenfalls, dass wir über diese Schreibungen geredet
respektive geschrieben und nicht in sieben Sprachen geschwiegen
haben. Worauf diese Wendung zurückzuführen ist, das haben wir
noch für Sie nachgeschlagen.
Viel Spaß beim Lesen
Groß- oder Kleinschreibung von Grundzahlen
Grundzahlen schreibt man in der Regel klein: "Die Bergsteiger streckten
am Rande des Eisfeldes erschöpft alle viere von sich. Jetzt war es fünf
vor zwölf und die zwei mussten wieder bei null beginnen. Um sechs haben
die sieben in der Linie acht schlüpfrige Lieder gegrölt. Ohne
Mehrwertsteuer macht das einundzwanzig dreißig. Schon mit vier hat
Lena Geige geübt, hat aber null Komma nichts gebracht."
Groß schreibt man Zahlwörter hingegen als Bezeichnung einer Ziffer:
"Heini ist ja so eine Null: Jetzt hat er doch schon wieder eine Sechs
in der Biologieklausur geschrieben - in Ermangelung einer schlechteren
Note. Soll ich hier eine arabische Acht verwenden oder eine römische?
Von einer römischen Acht spricht man doch wohl nur, wenn man in Rom eine
Acht im Rad hat, oder? Aber dann kann man ja mit der Vierzehn zur
Jugendherberge zurückfahren" (aber: "mit der Linie vierzehn").
Groß schreibt man Grundzahlen auch in mehrteiligen Eigennamen: "Die
Sieben Berge sind eine Landschaft in Niedersachsen." Aber:
"Schneewittchen bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen;
die sieben Weltwunder; die sieben freien Künste" (keine Eigennamen!).
Bisweilen kann nicht eindeutig entschieden werden, ob es sich um einen
Eigennamen handelt oder nicht - dann kann die Grundzahl groß- oder
kleingeschrieben werden: "die fünf/Fünf Weisen (Sachverständigenrat)".
Hätten Sie's gewusst?
Das große Eszett
Das "ß" (Eszett) ist gerade durch seine Bescheidenheit einzigartig: Als
einziger Buchstabe unseres Alphabets tritt es nicht als Großbuchstabe auf.
Oder nur: "bisher nicht"? War denn nicht in den letzten Wochen in den
Medien allüberall die Rede von einem neu entworfenen, großen Eszett? Was
ist davon zu halten?
Da Großbuchstaben in der Regel nur am Anfang eines Wortes erscheinen,
dort aber nie ein Eszett auftritt, braucht man normalerweise gar kein
großes Eszett. Andererseits wird ja auch gelegentlich durchgehend in
Großbuchstaben geschrieben. Was dann? Die offizielle Regelung sieht vor,
dann "ß" durch "SS" wiederzugeben. Das führt zu den bekannten
Deutungsschwierigkeiten bei Ausdrücken wie "DIE MASSE EINES
MAGERSÜCHTIGEN MODELS" ("Maße" oder "Masse"?) oder bei
Personennamen wie "BARBARA HEUSS" ("Heuß" oder "Heuss"?).
Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ließ die frühere Regelung neben
"SS" auch "SZ" zu (oft zu sehen in Architektenplänen: "MASZSTAB 1 : 50").
Da aber auch "SZ" keine Eindeutigkeit schafft (vgl. "Keszler/Keßler"),
gilt die Darstellung durch "SZ" nicht mehr, es bleibt bei "SS".
So ist die Forderung nach einem großen Eszett durchaus verständlich.
Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun - in den
internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 - ein Zeichen für
das große Eszett festgeschrieben: eine wichtige Neuerung, besonders für
Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen
Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im
Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große
Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.
Für Sie nachgeschlagen
"in sieben Sprachen schweigen"
Die scherzhafte Redewendung bedeutet "sich überhaupt nicht äußern, bei
einer Diskussion stummer Zuhörer sein". Ihre Entstehung oder zumindest
ihre Verbreitung wird mit dem Berliner Altphilologen Immanuel Bekker
(1785-1871) in Verbindung gebracht, von dem sein Lehrer Friedrich August
Wolf gesagt haben soll, er schweige in sieben Sprachen.
Duden