Liebe Leserin, lieber Leser,
schon so mancher hat ja in fiebriger Erwartung der Lottozahlen
schon gedacht: "Seid umschlungen, Millionen!" Meist verfrüht.
Sie machen es einem halt nicht leicht, die Millionen.
Und selbst wenn einem tatsächlich mal alle Lottofeen hold
und die Millionen gewonnen sind, droht bekanntlich Ungemach:
falsche Freunde. Das gilt auch für die sprachliche Seite von
Zahlen - allerdings muss es da schon etwas mehr sein als eine
Million. Einiges über falsche Freunde - "Fauxamis" - bei
Zahlwörtern erfahren Sie im zweiten Teil.
Und schließlich haben wir für Sie noch nachgeschaut, wo das
Zitat "Seid umschlungen, Millionen!" seinen Ursprung hat.
Viel Spaß beim Lesen!
Was Sie schon immer wissen wollten
Million
Auch wenn nach "eine Million" das Gezählte im Plural folgt,
ist die Million doch nur eine, also Singular, und das Verb
steht in der Regel im Singular. Der Plural wird aber auch
akzeptiert: "Eine Million Tulpen schmückt/schmücken den
Schlosspark zu Borbeck."
Die Million ist nicht allein deshalb so eigen, weil sie gerade
so wenigen Menschen eigen ist, sondern auch, weil sie im
Gegensatz zu den Wörtern für kleinere Grundzahlen ein
Substantiv ist - genauso wie "Milliarde, Billion, Billiarde,
Trillion". Diese Zahlwörter werden daher auch großgeschrieben
und getrennt von adjektivischen Bestandteilen.
Anders verhält es sich aber mit den Ordnungszahlen. Sie werden
zusammengeschrieben: "Die dreimillionste Fruchtfliege
schmeckte der eigenwilligen Forelle nicht mehr."
In Verbindung mit "Mal" schreibt man wiederum getrennt:
"... obwohl sie sich doch mehrere Millionen Mal damit
zufriedengegeben hatte."
Hätten Sie's gewusst?
Fauxamis bei substantivischen Zahlwörtern
Unter "Fauxami" versteht man ein Wort, das in mehreren Sprachen
in gleicher oder ähnlicher Form auftritt, jedoch in den
einzelnen Sprachen Unterschiedliches bedeutet, etwa franz.
"etat" (Staat), aber dt. "Etat" (Haushalt).
Zu diesen Fauxamis zählen bisweilen auch die Zahlsubstantive,
denn bis auf "Million/million" haben sie im Deutschen und im
Amerikanischen nie den gleichen Zahlwert: Was bei uns "Milliarde"
heißt, ist im Amerikanischen "billion". Unserer "Billion"
wiederum entspricht im Amerikanischen "trillion".
Im britischen Englisch gibt es dagegen eigentlich keine
Fauxamis: Milliarde = "thousand million/milliard" und Billion =
"billion". Doch gelten diese Formen mittlerweile als veraltend
und auch hier setzt sich zunehmend die amerikanische Variante
durch.
Für Sie nachgeschlagen
Seid umschlungen, Millionen!
Das Zitat stammt aus Schillers Gedicht "An die Freude", das durch
seine Vertonung am Schluss der 9. Sinfonie von Beethoven (entstanden
1823) sehr bekannt wurde. Die Freude, von Schiller als "schöner
Götterfunken" und als "Tochter aus Elysium" angesprochen, versetzt
die Menschen in einen Verbrüderungstaumel, der sich in diesem Ausruf
ausdrückt. Heute wird das Zitat gelegentlich scherzhaft abgewandelt
und in der Form "Seid verschlungen, Millionen!" mit Bezug auf große
aufzuwendende Geldsummen gebraucht.
Noch Fragen?