Liebe Leserin, lieber Leser,
im September des letzten Jahres gingen die Bilder
demonstrierender buddhistischer Mönche in Myanmar durch
die Weltpresse. Im heutigen Newsletter sind wir der Frage
nachgegangen, warum uns die Bezeichnung Birma oder auch
Burma vertrauter ist als der Name Myanmar.
Für unzählige Sportfans gibt es am Samstag kaum etwas
Schöneres als "Fußball total"! Lesen Sie im zweiten Teil,
wann derartige Umkehrungen der im Deutschen üblichen
Adjektiv-Substantiv-Abfolge möglich sind.
Abkürzungen sind Teil unseres Lebens geworden, hin und
wieder haben wir vielleicht sogar das Gefühl, sie nehmen
überhand. Interessantes zu diesem Thema haben wir für
Sie nachgeschlagen.
Viel Spaß beim Lesen!
Was Sie schon immer wissen wollten
Birma - Burma - Myanmar
Auf den ersten Blick scheinen die beiden Bezeichnungen für
das Land am Golf von Bengalen - Birma beziehungsweise Burma
und Myanmar - nichts miteinander zu tun zu haben. Tatsächlich
ist jedoch "Bamar" die im Land selbst übliche umgangssprachliche
Form von "Myanmar", aus der die uns vertrauten Bezeichnungen
"Birma" und "Burma" entstanden sind. "Burma" ist die Schreibung
des angelsächsischen Sprachraums, die auch von Skandinavien, der
Schweiz und Ungarn übernommen wurde, während "Birma" vorwiegend
im romanischen Sprachraum verwendet wird und auch in Deutschland
am geläufigsten ist. Die Einwohner von "Birma" heißen "Birmanen",
das zugehörige Adjektiv "birmanisch"; zur Namensform "Burma"
dagegen gehört die Einwohnerbezeichnung "Burmese" sowie das
Adjektiv "burmesisch".
Bereits 1989 übrigens wurde der englische Staatsname in "Union of
Myanmar" geändert und diese Bezeichnung findet in der Weltpresse
zunehmend Verwendung. Die entsprechende Einwohnerbezeichnung
lautet im Deutschen "Myanmare", das Adjektiv "myanmarisch".
Hätten Sie's gewusst?
Nachstellung des unflektierten Adjektivs
Bei der Stellung der Adjektive unterscheiden wir im Deutschen die
prädikative, d. h. zur Satzaussage gehörende, und die attributive,
d. h. beifügende Stellung. In der prädikativen Stellung bleibt das
Adjektiv ungebeugt: "Dieser Mittelstürmer ist fantastisch!" Steht
ein Adjektiv in attributiver Stellung, steht es in der Regel vor
dem Substantiv und wird entsprechend flektiert: "ein fantastischer
Mittelstürmer", "der erboste Trainer", "begeisterte Zuschauer".
Die Sprache der Werbung bedient sich gern der umgekehrten Variante:
Substantiv plus unflektiertes Adjektiv. "Whisky pur", "Henkell trocken",
"Krönung light". Auch in der Umgangssprache werden solche Formulierungen
oft gebraucht und fungieren dort als ausdrucksverstärkendes Stilmittel:
"Sonntags gibt es bei uns im Moment Spargel satt!"; "Das ist einfach
Leben pur."
Für Sie nachgeschlagen
Abkürzungen - historischer Abriss
Abkürzungen und besonders Kurzwörter [...] sind ein Phänomen der
modernen Zeit, heißt es immer wieder. Das stimmt zwar für die Masse an
Kurzformen, aber die Idee, Wörter abzukürzen, um auf ökonomische Art zu
kommunizieren, ist nicht neu. [...] Und tatsächlich finden sich schon
in frühesten Schriftzeugnissen Kürzel (etwa die Kreuzesinschrift INRI
oder SPQR für den römischen Senat); und auch die mittelalterlichen
Handschriften und Urkunden sind dafür bekannt, dass sie eine Vielzahl
an Kurzformen enthalten.
Ein signifikanter Anstieg an Kurzformen ist im späten 19. Jahrhundert
und besonders im 20. Jahrhundert zu beobachten, was hauptsächlich mit
der industriellen Revolution und der Entwicklung der Fachsprachen
zusammenhängt. Denn vor allem aus der Fachkommunikation sind Kurzwörter
nicht mehr wegzudenken. [...]
Frühe Belege für Kurzwörter, die nicht als reine Augenblicksbildungen zu
betrachten sind, sondern die als solche in die Kommunikation aufgenommen
wurden, sind etwa Hapag (= Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-
Gesellschaft, 1847) und BGB (= Bürgerliches Gesetzbuch, 1900 in Kraft
getreten). In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann sich eine
Kurzwortforschung innerhalb der Sprachwissenschaft zu entwickeln, die
bis heute dem Phänomen von Abkürzungen und Kurzwörtern auf der Spur ist,
denn die Kurzwortbildung stellt heute unumstritten einen wichtigen Teil
der Wortbildung dar.
Noch Fragen?