Liebe Leserin, lieber Leser,
unser letzter Newsletter in diesem Jahr beschäftigt sich
zunächst mit einem christlichen Gebildbrot: Es geht um den
Christstollen bzw. die Christstolle und seine bzw. ihre
Geschichte.
Wussten Sie schon, dass das Verb "schenken" sowohl mit dem
"Schinken" als auch mit dem "Schenkel" verwandt ist? Diese
ungewöhnlichen Verwandtschaftsverhältnisse nehmen wir im
zweiten Teil genauer unter die Lupe.
Schließlich haben wir noch die Wortgeschichte des an Festtagen
gern verspeisten "Bratens" für Sie nachgeschlagen - und den
Unterschied zwischen einem "Gourmet" und einem "Gourmand".
Was Sie schon immer wissen wollten
Christstollen/-stolle
Der weihnachtliche Stollen gehört zu den christlichen Gebildbroten,
d. h. zu den Backwaren, die in Gestalt von symbolischen Figuren
zu bestimmten Festtagen gereicht werden. Seine Form mitsamt dem
weißen Puderzucker wird als das in Windeln gewickelte Christuskind
gedeutet. Am bekanntesten ist der an Trockenfrüchten, Zitronat und
Mandeln besonders reiche, oft mit Marzipanrohmasse verfeinerte
Dresdner Stollen, für dessen Popularität die sächsischen Könige
sorgten, indem sie all ihren gekrönten Verwandten zum Fest einen
Christstollen schenkten. Ein echter sächsischer Stollen ist 1457
aus der Backstube des Schlosses Hartenstein im sächsischen Torgau
belegt. Urkundlich wird der Stollen allerdings bereits 1329 in
Naumburg/Saale erwähnt.
Als Bezeichnung ist sowohl "der Stollen" wie "die Stolle" gebräuchlich.
Die maskuline und die feminine Form kommen allerdings in verschiedenen
Gegenden vor.
Hätten Sie's gewusst?
schenken
Das Verb "schenken" (althochdeutsch "scenken") hatte früher die
Bedeutung "jemandem zu trinken geben". Deutlich sichtbar ist dies in
Wörtern, die mit dem Ort in Verbindung stehen, an dem man - gegen Bares -
zu trinken bekommt: Seit dem 15. Jahrhundert gehen die Deutschen in die
"Schenke", etwas später dann auch in die "Schankwirtschaft". Auch der
"Ausschank", der "Schanktisch", die "Schankstube" und andere
Zusammensetzungen dieser Art dokumentieren die alte Bedeutung. Nicht zu
vergessen der "Mundschenk", jener Hofbeamte, der an Fürstenhöfen für
die Getränke verantwortlich war.
In mittelhochdeutscher Zeit nahm "schenken" die Bedeutung "einen
Willkommens- oder Freundschaftstrunk anbieten" an. Dieser Trunk war
natürlich gratis. Auf diesem Wege entwickelte das Verb seine heutige
Bedeutung "ein Geschenk machen".
Ursprünglich bedeutet "schenken" eigentlich "schief halten". Zugrunde
liegt ihm die indogermanische Wurzel "[s]keng-" (= schief, krumm), auf
die auch die Substantive "Schenkel" und "Schinken" als Bezeichnungen für
einen krummen oder gekrümmten Körperteil zurückgehen. Was beim "Schenken"
(bzw. Einschenken) schief gehalten wurde, bedarf wohl keiner besonderen
Erwähnung.
Für Sie nachgeschlagen
Braten, Gourmet oder Gourmand
Zur Überraschung aller Liebhaber eines guten Bratens hat dieser mit
"braten" etymologisch ursprünglich gar nichts zu tun. Althochdeutsch
bedeutete "brato" lediglich "schieres Fleisch". Erst später wurde diese
Bedeutung durch Anlehnung an das klangähnliche Verb (althochdeutsch)
"bratan" zu der heute gültigen "gebratenes Fleisch" verändert. Die alte
Bedeutung ist noch in den Wörtern "Brät" ("fein gehacktes Kalb- oder
Schweinefleisch") und "Wildbret" ("Fleisch von Wild") erhalten.
Unsere französischen Nachbarn können dank eines handlichen, aus ähnlichen
Wörtern gebildeten Begriffspaars präzise zwischen einem Gourmand
("Schlemmer, der gern gut und viel isst") und einem Gourmet
("Feinschmecker")
unterscheiden. Beide Fremdwörter sind im Deutschen geläufig, doch geht
bei uns die genaue Differenzierung leider allmählich verloren:
Mit "Gourmand" wird immer öfter auch ein Gourmet bezeichnet - für
Franzosen ein haarsträubender Vorgang.
Noch Fragen?