Liebe Leserin, lieber Leser,
seien Sie froh, dass Sie nichts mit Jimena zu tun haben;
die ist nämlich ein richtiges Aas - genauso wie Gerlinde:
also gleich zwei, zwei ... "Aase" oder "Äse"? Diese
Unklarheit beseitigen wir. Manchmal ist ja weniger mehr. Dass weniger mehr sein soll,
scheint wiederum auf den ersten Blick eine gewagte Behauptung
zu sein, ja es ist sogar ein Widerspruch - aber einer der
besonderen Art: ein "Oxymoron". Mehr darüber erfahren Sie jetzt.
Viel Spaß beim Lesen !
Was Sie schon immer wissen wollten
Hätten Sie's gewusst?
Oxymoron
Der Ausdruck Oxymoron (von griech. "oxys" = "scharf, spitz,
scharfsinnig" und "moros" = "einfältig, dumm") bedeutet so
viel wie "klugdumm" und bezeichnet Wendungen, die logisch
betrachtet zunächst einmal widersprüchlich sind, bei näherer
Betrachtung und in bestimmten Zusammenhängen aber durchaus einen
(Hinter)sinn offenbaren. Einige Oxymora zählen zu den
verbreitetsten Standards unserer Alltagsrhetorik:
Weniger ist mehr. Das Schweigen der Lämmer sagte alles. Das Aas
quittierte mit einem bittersüßen Lächeln. Nur die Konvertiten
vernahmen deutlich Gregors lautlosen Schrei. Eile mit Weile!
Solche Standards verkommen allerdings leicht zu bloßen Worthülsen.
Neu und angemessen gebildet kann ein Oxymoron dagegen eine
verstörende rhetorische Kraft entwickeln. Zwei beeindruckende
Beispiele dafür finden sich in den ersten Zeilen der "Todesfuge"
von Paul Celan: "Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends //
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts //
wir trinken und trinken // wir schaufeln ein Grab in den Lüften
da liegt man nicht eng // [...]".
Für Sie nachgeschlagen
Aas
In dem neuhochdeutschen Wort "Aas" sind zwei verschiedene Wörter
zusammengefallen, nämlich mittelhochdeutsch, althochdeutsch "az"
("essen, Speise, Futter") und mittelhochdeutsch "as" ("Futter,
Fleisch zur Fütterung der Hunde und Falken, Fleisch eines toten
Körpers"). Beide Wörter gehören im Sinne von "Essen, Fraß" zu der
Wortgruppe von "essen" und sind z. B. verwandt mit altenglisch "aes"
("Futter, Nahrung, Köder") und mit altenglisch "aet" ("Speise,
Nahrung, Fleisch") und altisländisch "at" ("Speise, Nahrung").
An die alte Bedeutung des Substantivs "Essen, Futter, Fleisch"
schließen sich an die Ableitungen "äsen" = "fressen" (vom Wild)
und das seit dem 18. Jh. bezeugte "aasen" = "Fleisch von den Häuten
schaben" (Fachwort der Gerber und Kürschner), dann "in Speisen
herumsudeln, Nahrung vergeuden", worauf die umgangssprachliche
Verwendung im Sinne von "verschwenden" beruht.
Plural von "Aas"
Aas - woher kommt das Wort eigentlich? Das haben wir für
Sie noch nachgeschlagen.
Keine der oben angebotenen Pluralformen ist ein Treffer.
Schade. Dabei hat "Aas" schon zwei verschiedene Pluralformen,
nämlich "Aase" und "Äser". "Aase" gilt als standardsprachliche
Pluralform für "Aas" in der Bedeutung von "verwesende Tierleiche,
Kadaver": Nach der Dürre war die Serengeti übersät mit
Tausenden von Gnu-Aasen: eine Katastrophe für das Land, ein
Fest für Geier und Hyänen.
Dagegen gilt die Pluralform "Äser" als umgangssprachlich und
wird meist für die Bedeutungsvariante "gemeiner,
niederträchtiger Mensch" eingesetzt: Jimena und Gerlinde -
was für Äser!
Noch Fragen?