Liebe Leserin, lieber Leser,
wie verhält sich der "schwarze Tee" zum "Schwarztee" und das
"Hohelied" zum "Hohen Lied"? Mehr über die Besonderheiten
dieser und ähnlicher Fügungen erfahren Sie in unserer heutigen Ausgabe.
Wenn man "niemand" gesehen und mit "niemandem" gesprochen
haben will, hat man sich vielleicht elegant aus der Affäre
gezogen, aber man sollte dabei auch immer die Grammatik
beachten. "Niemand anders" als wir erklärt Ihnen in der
zweiten Rubrik, was in diesen Fällen richtig ist.
Schließlich zeigen wir Ihnen noch, wie abwechslungsreich man doch formulieren kann,
wenn man eigentlich "niemand" meint.
Gute Unterhaltung !
Was Sie schon immer wissen wollten
Hohelied / Hohes Lied
Es gibt eine Reihe von Eigennamen und festen Fügungen aus
einem Adjektiv und einem Substantiv, die einem Kompositum -
also einem zusammengesetzten Substantiv - nahestehen. Dazu
zählen beispielsweise "das Rote Kreuz", "der Stille Ozean",
"das Schwarze Meer", aber auch "das Schwarze Brett", "der
italienische Salat" oder "der schwarze Tee". Beim schwarzen
Tee wird diese Nähe am deutlichsten, gibt es doch auch die
Zusammensetzung "der Schwarztee". Beim Roten Kreuz lässt
sich die Tendenz zum Kompositum in Ableitungen beobachten,
z. B. "der Rotkreuzwagen", "die Rotkreuzschwester".
All die genannten festen Fügungen zeichnen sich dadurch aus,
dass sich die Bedeutung des Gesamtgefüges nicht ohne Weiteres
aus der Aneinanderreihung der Inhalte der Einzelwörter ergibt.
Im Unterschied zum Kompositum werden bei der festen Fügung
jedoch beide Glieder dekliniert: "im Schwarzen Meer" oder
"im Stillen Ozean" baden, eine Aktion "des Roten Kreuzes",
einen Anschlag "am Schwarzen Brett" machen; ebenso: "den
italienischen Salat", "des schwarzen Tees".
Recht selten sind die Fälle, in denen man die Getrennt- und
Zusammenschreibung in gleicher Form nebeneinander findet.
Bekannte Vertreter sind "das Hohe Lied" oder eben "das
Hohelied" und "der Hohepriester" bzw. "der Hohe Priester".
Aber Achtung: Bei flektierten Formen weichen die beiden
Versionen schon wieder voneinander ab: des "Hohepriesters"
oder des "Hohen Priesters", im "Hohelied" bzw. im "Hohen
Lied".
Hätten Sie's gewusst?
Deklination von "niemand"
Der Akkusativ und Dativ von "niemand" kann sowohl eine
Flexionsendung haben als auch endungslos sein: "Sie hat
niemand[en] gesehen und mit niemand[em] gesprochen." Im
Akkusativ wird die endungslose Form oft sogar bevorzugt:
"Ich kenne niemand (seltener: niemanden), der so etwas kann."
Der Genitiv lautet "niemandes" oder "niemands": "Er hat
niemandes/niemands Auto beschädigt."
In der Verbindung von "niemand" mit "anders" oder mit einem
substantivierten Adjektiv wird heute die endungslose Form
bevorzugt: "Er wollte niemand anders um sich haben" oder:
"Er wollte niemand anderen um sich haben"; seltener: "Er
wollte niemanden anders um sich haben". Entsprechend mit
einem substantivierten Adjektiv: "Sie schenkte niemand
Fremdes ihr Vertrauen oder "Sie schenkte niemand Fremdem
ihr Vertrauen"; seltener: "Sie schenkte niemandem Fremdes
ihr Vertrauen".
Für Sie nachgeschlagen
niemand
keine einzige Person, kein Einziger, keine Einzige, keine
[Menschen]seele, keiner, keine, kein Mensch
(gehoben): keine Macht der Erde/Welt, nicht einer, nicht eine,
nicht ein Einziger, nicht eine Einzige
(umgangssprachlich): kein Aas
(salopp): kein Schwanz, kein Schwein, kein Teufel
(derb): keine Sau
(veraltend): keine lebendige Seele
Noch Fragen?