
Job in der "Hölle"
Helen Green arbeitete vier Jahre als Sekretärin bei der Deutschen Bank
Wegen der mutmaßlichen Schikane einer Ex-Mitarbeiterin durch ihre Kolleginnen muss die Deutsche Bank jetzt tief in die Tasche greifen: Die Deutsche Bank ist in Großbritannien wegen Mobbings zu einer Zahlung von 1,2 Millionen Euro verurteilt worden: Eine Angestellte wurde während ihrer Arbeit für die Bank so schikaniert, dass sie zwei Nervenzusammenbrüche hatte.
Umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro für vier Jahre als Sekretärin? So ungefähr würde die verkürzte Zusammenfassung eines britischen Gerichtsurteils lauten. Denn ein Londoner Gericht verdonnerte die Deutsche Bank in Großbritannien dazu, einer ehemaligen Angestellten genau diese Summe für jahrelange Schikanen am Arbeitsplatz zu zahlen. Helen Green, die Betroffene, beschrieb die Zeit als vier Jahre "in der Abteilung der Hölle". Die Klägerin, die von 1997 bis 2003 bei Deutschlands größtem Geldhaus angestellt war, hatte in dem Verfahren von geschmacklosen, vulgären und boshaften Bemerkungen ihrer Kollegen berichtet. Sie habe sich schließlich mehr und mehr zurückgezogen und im Stillen geweint.
Bank muss den Preis zahlen
Die frühere Sekretärin sei jahrelang einer „gnadenlosen Kampagne“ ausgesetzt gewesen, hieß es in dem Urteil. Green hatte während ihrer Zeit bei der Bank unter Depressionen gelitten, die auch nach ihrem Ausscheiden im Jahr 2001 noch anhielten.
Während des Prozesses hatte Green geltend gemacht, dass sie von der Chefetage keine Hilfe bekommen habe, um sich gegen das Mobbing zu wehren.
Die 36-Jährige sei Opfer "einer vorsätzlichen und abgestimmten Kampagne des Mobbings" anderer Mitarbeiter gewesen, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung in London. Die Vorgesetzten der Klägerin kannten die Vorfälle oder hätten von ihnen wissen müssen. Er kritisierte, das Bankhaus habe sich von Beginn der Klage an kompromisslos gezeigt. "Sie haben bis zum Schluss gekämpft. Sie haben verloren. Jetzt müssen sie den Preis zahlen", sagte er über die Vertreter der Bank. Die Deutsche Bank hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, erklärte aber am Dienstag, sie akzeptiere die Entscheidung des Gerichts.
In dem Mobbing-Verfahren hatte Green berichtet, sie sei von "einer Bande" von Frauen schikaniert worden. Ein Kollege habe sie zudem sexistisch und herablassend behandelt. Laut Green waren die Schikanen von vier Kolleginnen ausgegangen. Diese wären ständig über sie hergezogen. Wenn sie eine auf die Arbeit bezogene Frage gestellt habe, sei sie manchmal nur angeschwiegen worden. Nachts habe sie ihre Unterlagen wegschließen müssen, weil sie sonst gestohlen worden wären. Außerdem wäre offen darüber geredet worden, wie man Green zum Heulen bringen könnte.
"Wie auch immer man es betrachtet, das Verhalten dieser Frauen war unterdrückend und unzumutbar", entschied der Richter. Nach seiner Auffassung hat die Deutsche Bank gegen ihre Pflicht verstoßen, sich um die Mitarbeiterin zu kümmern und solche Situationen im Vorfeld auszuschließen.
Green zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Sie habe das Ende eines "langen und schmerzhaften Kampfes" erreicht, sagte Green. Sie habe mit dem Verfahren ein in London weit verbreitetes Thema auf den Tisch gebracht, sagte sie und: "Mein Fall ist kein Einzelfall."
So hatte ein hochrangiger Mitarbeiter bei der Broker-Firma Cantor Fitzgerald 2003 Zahlungen durchgesetzt, nachdem ihn sein Chef mit permanenten Beleidigungen zur Kündigung gebracht hatte. Zu Jahresanfang hatten zudem mehrere Beschäftigte der Investmentbank Dresdner Kleinwort - bis vor kurzem Dresdner Kleinwort Wasserstein - eine milliardenschwere Diskriminierungsklage angekündigt.
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