
Deutschlands Kommunen haben schon vor geraumer Zeit den haushaltspolitischen Offenbarungseid abgelegt und zeigen "Mut zur Lücke".
Kaum ein Tag vergeht, wo nicht ein findiger Bürgermeister oder
Gemeindekassenwart die Segnungen des 1-Euro-Jobwunders preist.
"Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" (MAE), heißen die Ein-Euro-Jobs offiziell.
Tess
Der Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus kündigte im Norddeutschen Rundfunk weitere Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe an. So sollen nach seinem Willen alle wild umherlaufenden Haustiere in den Schutzzonen eingefangen werden. "Der Sprung von der Katze zum Hausschwein ist nicht groß", sagte der SPD-Politiker zur Begründung.
Ein-Euro-Jobber und ABM-Kräfte sollen vorrangig Strände und Gelände nach verendeten Vögeln und anderen Tieren absuchen. Diese Aufgabe erfordere keine speziellen Vorkenntnisse und sei auch nicht gefährlich, "weil sie mit dem Markieren der Fundorte und deren Weitermeldung endet", sagte Backhaus.
Hier bieten sich "Sprung" -Bretter für Bewerber mit Perspektiven. Man denke nur daran, BSE, Schweinepest und jetzt Vogelgrippe, dann ist der Beruf des Vogelsuchers tatsächlich einer mit Zukunft.
Beispiel Berlin: Die Hälfte der etwa 32 000 Ein-Euro-Kräfte in Berlin arbeiteten im
öffentlichen Dienst. Bereits jeder vierte Beschäftigte in Bezirksverwaltungen und kommunalen Einrichtungen sei Ein-Euro-Jobber, sagte Uwe Januszewski vom Hauptpersonalrat. "Wir gehen davon aus, dass derzeit 99 Prozent davon rechtswidrig eingesetzt werden." Laut Gesetz dürfen Ein-Euro-Jobber nicht auf gestrichenen oder bestehenden Planstellen arbeiten.
Reinickendorf ist mit einem Vorschlag zur Schulschwänzerproblematik in die Offensive gegangen: "Schuldistanzierte" sollen künftig von Ein-Euro-Jobbern zur Schule gebracht werden. Die Mehraufwandsentschädigten sollen morgens problematische Schulkinder von der Wohnungstür abholen und zur Schule geleiten. Für CDU-Fraktionschef Jürn Jakob Schultze-Berndt entlastete eine solche Regelung die Polizei, die bisher bei notorischen Schwänzern gerufen wurde, und sei Teil eines erforderlichen "Maßnahmenmixes". Etwa 70 Schüler werden zur Zeit in Berlin von der Polizei zur Schule gebracht. Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura begrüßt den Vorschlag: "Das ist eine seriöse Idee, deren Umsetzbarkeit wir jetzt prüfen." Spätestens in zwei Monaten wolle man, wenn keine gesetzlichen oder organisatorischen Bedenken zu Tage träten, mit der Schwänzerbegleitung beginnen. Selbstverständlich hätten dann die Begleiter keine hoheitlichen Rechte und würden wohl auch keine Uniformen tragen. Man werde aber die Eltern anschreiben und dem Ein-Euro-Jobber einen entsprechenden Ausweis ausstellen. Als positiven Nebeneffekt könnten die Schulweg-Begleiter die Ämter mit zusätzlichen Informationen versorgen, wie es um das häusliche Umfeld des Schülers bestellt sei.
In Neukölln sind nach einer Erhebung des Bezirks derzeit 600
Arbeitslose an 70 Schulen als "Ein-Euro-Jobber" beschäftigt. Sie übernehmen
für eine Mehraufwandsentschädigung von 1,50 Euro pro Stunde Aufgaben.
Die Fahrschüler aus der Region Bordesholm sitzen jetzt nicht mehr alleine im Schulbus: Der Schulverband Bordesholm hat einen ersten Schulbusbegleiter engagiert – mit dem Ziel, mögliche Konflikte unter den Schülern gleich unterwegs zu lösen.
Dieser steigt jeden Morgen in die Busse, die auf ihren Touren durch die Bordesholmer Umlanddörfer die Kinder und Jugendliche aufsammeln und zu den vier Schulen in Brügge, Wattenbek sowie Bordesholm bringen. Einzugreifen brauchte er bisher nicht – im Gegenteil. "Die Kinder zeigen mir von sich aus ihre Fahrausweise. Und einige berichten mir sogar von ihren Befindlichkeiten, etwa dass sie schlecht geträumt haben oder ihnen der Bauch zwickt", erzählt er.
Die vorgenannten Beispiele sprechen bevorzugt Bewerber an, die schon immer eine pädagogische Neigungen oder erzieherische Ambitionen an sich feststellten.
Wenn Sie über die entsprechenden "Softskills" verfügen, Ihnen aber bislang das Handicap der entsprechenden Ausbildung und Erfahrung anhaftete, hier werden Sie gebraucht.
Ein kleiner Wermutstropen bleibt Ihnen allerdings nicht erspart, für eine schicke Uniform wird es leider nicht reichen ... noch nicht!
In Waldböckelheim zum Beispiel werden Mädchen und Jungen aus den
Nachbarorten, die die beiden Kindergärten in Waldböckelheim besuchen,
künftig auf ihren Fahrten dorthin in den Bussen von ehemals arbeitslosen
Personen begleitet.
Beweber, die schon immer gern Bahn oder Bus gefahren sind,
werden hier ihren Traumjob realisieren.
In Niemegk haben so genannte Ein-Euro-Jobber in den vergangenen Wochen
offensichtlich Baumfrevel in Größenordnungen begangen und gegen Gesetze
verstoßen. Aufgrund der augenscheinlichen Schäden an Linden, Rosskastanien
und Akazien wird es hier wohl zu grösseren personellen Umschichtungen
kommen. Nach Ansicht von Experten waren nach Einsatz der bisher
Ein-Euro-Jobber erhebliche Mängel an dutzenden von Bäumen erkennbar:
Vielfach sind Stämme und Äste eingerissen, sehr häufig wurden Aststummel
stehen gelassen, Äste nicht auf Seite sondern unwillkürlich geschnitten.
Zudem seien nur selten glatte Schnitte und keine Form in den Baumkronen zu
erkennen
Wer also nicht ganz unbegabt mit Motorsägen ist, dem kein Baum zu hoch ist,
wer benzingeschwängerte Luft liebt - und nicht unwesentlich - Baumarten
kennt, wird hier eine nicht alltägliche Herausforderung erleben.
In Kreuzberg wurden in der Maßnahme "Geschichtswerkstatt" 50 arbeitslose Geisteswissenschaftler, Redakteure und Fotografen zusammengefasst. Sie sollten neun Monate lang "Biografien von Senioren und Migranten mit historischer Relevanz festhalten", so der Auftrag. Nach Angaben eines Teilnehmers wurde von der Gruppe in den ersten 9 Wochen 1 ( in Worten: ein) Flyer erstellt. Grund für diese ausserordentliche Produktivität, es gab keine
Computer und Software.
Und darüber hinaus habe die Gruppe den Auftrag völlig falsch verstanden, so die
Leiterin der "Maßnahme"
Wenn Sie also demnächst auf eine Gruppe arbeitswilliger aber über den
Arbeitsauftrag und Inhalt desinformierter Menschen treffen, sollten Sie es
zunächst vielleicht mit der Frage versuchen:
"Seid ihr auch für ´nen Euro hier?"
Ihre Tess