Haben Sie Arbeit für mich?
Alles wird besser!
Sie sind arbeitswillig aber arbeitslos, weisen multiple Vermittlungshemmnisse auf, (Überqualifiziert bei einem Mangel an Arbeitsplätzen) dann haben sie jetzt allen Grund optimistisch zu sein.
Sind Sie bereits 1-Euro-Jobber, also im Sinne des Arbeitsmarktes günstig und billig nachwachsender Rohstoff, der Produktionsverlagerungen nach China oder Bangladesch überflüssig macht?
Dann gehören Sie zu den Gewinnern der Arbeitsmarktreformen, auch der kommenden, u. a. 50 + und sog. Kombilohnmodellen.
Vieles ist vorangekommen in den vergangenen Monaten.
Sie werden sagen, davon hätten Sie nichts gespürt.
Sie werden fragen, was Sie davon haben
Sehen Sie - und genau an dieser Stellen setzt wieder Ihre Undankbarkeit ein.
Fassen wir doch einmal zusammen:
Die an ihren damals zuständigen Sachbearbeiter gerichtete Frage nach Arbeit löste Verblüffung aus, wurde ohnehin als Provokation aufgefasst.
Sie wurden in Folge nicht mehr zu den ohnehin ergebnislosen Gesprächen bei der unter "Arbeitsagentur" firmierenden ehemaligen Bundesanstalt für Arbeit eingeladen, (im übrigen auch mit einem weitaus dynamischeren Logo als bisher)
Es flatterten keine Vermittlungsvorschläge mehr in´s Haus, die allesamt nicht gepasst hätten.
Es kommt noch viel besser:
Eine den erfolgreichen Unternehmen angelehnte Strategie greift bei der Arbeitsagentur.
Es gibt Kundencenter. Sie werden auf u. a. KAS treffen. Nein, nein - nicht wie Sie jetzt denken- eben keine spanische Getränkemarke.
Dieses Kürzel steht für Kooperationsgemeinschaft Arbeit und Soziales.
Sie werden von Fallmanagern betreut, Sie werden zu seiner Klientel gerechnet. (von Fall zu Fall)
Sie sind jetzt (nach aussen) ein "Kunde" - intern bleiben Sie natürlich ein "Fall".
Sie werden in eine ganz neue sprachliche Begriffswelt eintauchen,
er wird Sie mit Begriffen wie "Profiling" oder "erhöhte Kontaktdichte" vertraut machen.
Nein - Sie denken schon wieder in die falsche Richtung - keine Gutscheine für´s Eros-Center.
Kein Bearbeitungsstau, keine Wartezeiten - statt dessen workflow-orientierte Prozesse.
Man nimmt Sie ganz anders wahr. Gestern noch ein schnöder Arbeitsloser - heute Kunde.
Überlegen Sie mal, das lässt sich doch auch im privaten Kreis ganz anders darstellen.
Stellen Sie sich vor:
Eine dieser mondänen Partys, zu denen Sie regelmässig eingeladen werden. Auf die Frage ... und was machen Sie so?
beeindrucken Sie mit einem kurzen Statement, dass sie sich als "Klient in einem sehr grossen Projekt engagieren".
Schliessen Sie den Satz mit der trockenen Bemerkung ab, "alle weiteren Fragen wird mein Management sicherlich gern beantworten"
Nun, Sie sehen, man kann der ganzen Sache auch eine ganz andere Betrachtung abgewinnen!
Ihre Tess
PS:
Difficile est satiram non scribere. - Es ist schwierig, keine Satire darüber zu schreiben